Sonntag, 15. Mai 2011

Wohlerzogen

Beim Spazierengehen begegne ich einer Frau mit zwei mittelgroßen schwarzen Hunden. Die Frau und ich lächeln uns nett zu. Der eine Hund kommt auf mich zugeschossen. Nun mag ich Hunde wirklich gerne und unterstelle ihnen auch selten böse Absichten, aber dieser Hund macht keinerlei Anstalten langsamer zu werden und ich bin mir sicher, dass zumindest eine Kollision bevorsteht. Logischerweise nehme ich eine Schutzhaltung ein und quieke. Der Hund bremst noch rechtzeitig, ich schaue zu seinem Frauchen und erwarte jetzt zumindest eine Versicherung, dass der nix tut und wirklich nur spielen will. Kommt aber nicht. Stattdessen lobt sie den Hund überschwänglich und belohnt ihn mit Leckerli. "Okay", denke ich mir "diese Frau trainiert ihren Hund scheinbar darauf Leute zu erschrecken. Vielleicht mag sie keine Menschen und möchte sie sich mit dem Hund vom Leib halt." Ich gehe weiter, die Hunde und die Frau etwas langsamer hinter mit her.
Ich denke noch ein bisschen über die Begegnung nach und mir wird klar, dass meine Überlegung nicht soviel Sinn macht. Ich kehre also um und frage die Frau, ob sie den Hund jetzt tatsächlich dafür belohnt hat, mich erschreckt zu haben? Oder dafür, dass er mich nicht angegriffen hat? Sie versichert mir glaubhaft, dass es natürlich dafür war, dass er mich nicht angegriffen hat. Wir sind uns darüber einig, dass die Situation etwas missverständlich war. Ich verabschiede mich nett und gehe weiter.
In meinem Kopf gehe ich das ganze noch mal durch und mir fällt auf: Sie hat ihn dafür belohnt, dass er mich nicht angegriffen hat? Woher soll der Hund das denn bitte wissen? Ich bin keine professionelle Hundetrainerin, aber als Verhaltensbiologien bin ich der Meinung, dass der Hund einfach lernen wird, dass es ne Supersache ist Leute zu erschrecken: Gequieke, Lob und Leckerli.

4 Kommentare:

Maria hat gesagt…

Anscheinend ist der Satz: "Mei Hund, der tut fei nix" in England noch nicht bekannt. Den solltest du dort noch glaubhaft und zur eigenen Sicherheit einführen!

Gerti hat gesagt…

Merke: Versuche nie, Hundehalter dazu zu erziehen, ihre Hunde zu erziehen. Schon gar nicht, wenn du von Hunden angegangen, verfolgt oder gebissen worden bist. Es ist immer deine Schuld! Nicht der Hund ist das Problem, das wissen wir doch alle...

Alina hat gesagt…

Ach Anna-Kind, wie bin ich doch so stolz auf deine analytischen Fähigkeiten! Da hast du wirklich mehr durchschaut als 70% aller Hundehalter! Witzig finde ich es auch immer, wenn Leute ihre Hunde in ganzen Sätzen (und dann auch noch oft grammatikalisch falsch) zutexten und dann eine Reaktion erwarten! =0)
Andersrum funktioniert das Ganze übrigens auch: wenn der Hund wegläuft und dann zurück kommt sind viele Leute so wütend, dass sie ihn erstmal ordentlich zur sau machen. Was lernen wir nun daraus??? Weglaufen - macht Spaß! Zurückkommen - bringt Anschiss! =0)
Sollte der Hund beim nächsten Mal übrigens nicht bremsen: Knie im letzen Moment hochziehen! (Dann bringst du dem Hund wenigstens was bei!)

Helmut hat gesagt…

Due hättest den Hund vielleicht auch mit dem folgenden Ausruf abwehren können:

"Ich kann fei Judo!"

Gruß von Helmut