Ich hatte einmal Ohrringe, die ich liebte wie keine anderen. Wie sehr, das lässt sich daran messen, dass ich sie vor acht Jahren auch auf mein erstes Pfadfinderlager mitnahm, was bei so großen Hängern ja an sich schon ziemlich bescheuert ist. Das letzte Stück Weg zu diesem Lager sollten wir als Hike zurücklegen und zwar, pädagogisch wertvoll, in ausgelosten Gruppen. Unterwegs sollten wir übernachten und dann am nächsten Tag mittags auf dem Platz eintrudeln. Nun war aber in meiner Gruppe einer gerade frisch vom Bund zurückgekehrt, der setzte es sich in den Kopf, den Lagerplatz noch am gleichen Abend zu erreichen und legte ein entsprechendes Marschtempo vor. Außer mir konnten das scheinbar alle mithalten, was dazu führte, dass ich weit abgeschlagen hinterherhinkte („Lasst uns Gruppen zusammenwürfeln, da lernen sich die Leute kennen!“ Pff, von wegen!).
Als wir dann tatsächlich am frühen Abend beim Platz
eintrafen, durften wir natürlich noch nicht drauf. Klar, war ja nicht der Sinn
der Sache. Ein Hoch auf nutzlosen Ehrgeiz! Wir mussten also nochmal los und uns
einen Schlafplatz suchen. Als wir von diesem dann am nächsten Morgen
aufbrachen, muss es passiert sein: einer meiner Ohrringe blieb zurück. Horrorhike
und dann auch noch den Lieblingsohrring verloren! Grausame Welt! Wenigstens war
das Lager wundervoll genug, um das einigermaßen auszugleichen. Dem Ohrring
trauerte ich jedoch noch ewig nach, bis, ja bis mir in Stockholm in einem
Schaufenster ein exakt gleiches Paar entgegenblitzte. Welch große Freude! Nun
zieren sie wieder meine Ohren und ein kleiner Riss in meinem Herzen ist
gekittet.
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1 Kommentar:
Eine wundervolle Geschichte, die mein Herz erwärmt! Wenn ich gewusst hätte, welche Qualen du beim Hike erleiden musstest, ich hätte nicht schlafen können!!
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